Spiegelbild und schwarzer Spuk: Gedichte: Gesammelte und neue Gedichte


 
Literarische Kostbarkeit
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(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Spiegelbild und schwarzer Spuk: Gedichte: Gesammelte und neue Gedichte (Musiknoten) Alfred Brendel ist nicht nur einer der größten Pianisten unserer Zeit, sondern auch ein Essayist über musikalische Themen, wobei er sich in seinen zahlreichen Aufsätzen mit den Eigenarten großer Komponisten beschäftigte. Brendel hat auch viele, schöne, zum Teil exzentrisch - groteske Gedichte geschrieben. Vor gut einem Jahr hat er nun seinen Konzertflügeldeckel zugeklappt und so darf man annehmen, dass er jetzt die Zeit nutzt, um noch mehr zu schreiben. Er ist ein begnadeter Universalkünstler, der in seinem Leben nicht nur komponiert, gemalt und musiziert hat, sondern der immer das Bedürfnis hatte voller Lust mit der Sprache umzugehen.

Auf dem Titelbild befindet sich ein Zwitterwesen, ein Affen-Engel, mit dem Korpus eines Affen und den Schenkeln eines Knäbleins. Dieses Wesen hat grotesker Weise dann auch noch Flügel und so tummeln sich in den "Spukbildnern der Albernheiten" und Skurrilitäten, in sarkastisch und ätzend spöttischen Witzen, allerlei Dämonen, kauzige Wesen, Teufel, Gespenster und ulkige Fabeltiere aller Art. Als Pianist hat sich Brendel stets der Komposition verpflichtet gefühlt, hier bringt er totale Verwirrung in eine geordnete Alltagswelt.

Brendel ist nicht an sprachexperimentellen Fantasiekonzeptionen interessiert, er bevorzugt in seinen Gedichten die korrekte Verknüpfung sprachlicher Einheiten die auch in der verfremdeten Bedeutungsbeschreibung verständlich bleiben. Die immer wieder fein heraus gearbeitete Ambiguität begeistert.In seiner lyrischen Dämonenkunde richten seine Figuren hinsichtlich alt überlieferter Mythologien ein kreatives Chaos an, wobei Brendels skurriler Humor mit somnambuler Klarsichtigkeit und fiebriger Empfindsamkeit immer ins Schwarze trifft.

Eine literarische Kostbarkeit, ein kurzweiliges, kluges Buch. Ich denke für dies Buch gilt, was Robert Gernhardt einmal über gute, gelungene Gedichte gesagt hat:"Gut gefühlt, gut gefügt, gut gedacht und gut gemacht". Ich muss sagen, dass ich dieses Buch mit großer Begeisterung und permanentem Vergnügen gelesen habe.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 12. März 2010
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