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Ein epochaler Roman
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Jetzt, wo möglicherweise zum ersten Mal in der Geschichte der USA ein Farbiger als Präsident ins Weiße Haus einziehen könnte, ist mit "Licht im August" der wohl bekannteste Roman von William Cuthbert Faulkner in einer schnörkellosen, modernen Übersetzung aus dem Amerikanischen von Helmut Frielinghaus und Susanne Höbel neu verlegt worden. Faulkner, der neben dem National Book Award, dem Pulitzer Preis auch 1949 den Literaturnobelpreis erhielt, hat zahlreiche Romane, Kurzgeschichten und Drehbücher geschrieben. Er greift in diesem Roman "Licht im August" (Light in August, 1932 erschienen) das immer wieder aufwühlende, erregende Problem der USA auf, nämlich die Rassenfrage. Von den alten Rassenvorurteilen, die auch heute noch nicht gänzlich überwunden sind, handelt dieses Buch. Wie die meisten von Faulkners Geschichten spielt die kompakte und facettenreiche Handlung im fiktiven Yoknapatawpha Country mit der Hauptstadt Jefferson. Diesem Ort liegt das reale Oxford zu Grunde, in dem der 1897 geborene Faulkner 57 Jahre bis zu seinem Tod 1962 gelebt und gewirkt hat.
Die geschickt miteinander verflochtenen drei Haupterzählstränge zeichnen sich zum einen durch gemeinsame Sinnbilder und Charakteristiken, zum anderen durch hart aufeinander prallende elementare Gegensätze aus. Dabei arbeitet der Autor nicht nur die differenzierte von Zelotismus, Blindwütigkeit und Rassentrennung scheinbar petrifiziert gekennzeichnete Sichtweise der amerikanischen Gesellschaft auf, sondern er versucht auch praktikable Wege aufzuzeigen, diesen Missstand mit der einsichtigen und dynamischen Vitalität der Menschen zu überwinden.
Zum Personal gehört die schwangere Lena Grove, die Lucas Burch, den vermeintlichen Vater ihres Kindes sucht. Lena trifft im weiteren Erzählstrang auf den neurotischen Gelegenheitsarbeiter Joe Christmas, der seit seiner von Gewalt und Unterdrückung geprägten Kindheit nie wieder festen Boden unter den Füßen gehabt hat. Sein letzter Rehabilitationsversuch, nämlich die Liebschaft mit einer vom Alter gezeichneten Frau, endet im unheilvollen Chaos. Er ermordet sie in hysterischer Erregtheit, wird festgenommen, kastriert und gelyncht. Der in Verklärung an eine glorreiche Südstaaten Vergangenheit schwelgende einstige Geistliche Hightower, ist der einzig Mensch, der das wirre Geflecht aus fanatischem Rassismus, fehlgeleitetem Glaubenseifer, verdrängter angestauter Sexualität und innerer Instabilität erkennt, ist jedoch nicht in der Lage hilfreich einzugreifen.
Die aufeinander zu treibenden fundamentalen Gegensätze sind Schwarz und Weiß, Mann und Frau, Christmas(der Wanderarbeiter) und Christus (die Religion). Faulkner spiegelt, entsprechend seinem bekannten Leitspruch: "Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist allgegenwärtig", in seinen Handlungssträngen die Vergangenheitsszenarien permanent in die Gegenwartsabläufe seiner Figuren.
Die Handlungsstränge entwickeln, jeder für sich und in ihrer Gesamtheit, einen außerordentlichen Sog, der den Leser gefangen nimmt und in die Geschichte mitnehmen lässt. Ich bin hingerissen von diesem Buch, finde es unglaublich rasant und gut geschrieben, wobei die unterschiedlichen Reflexionsebenen Eindruck hinterlassen und zum Nachdenken anregen.
Eine Rezension von Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" > Bad Nenndorf
vom 24. Juli 2008 |