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Mississippi Burning
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Dieser Roman erschien bereits 1935 in Deutschland und liegt nun in einer sehr gelungenen und modernisierten deutschen Neuübersetzung vor. William Faulkners Licht im August" geriet wie der Autor selbst leider fast in Vergessenheit - ein willkommener Anlass also es mal wieder mit einem Klassiker" zu versuchen, zumal es wahrscheinlich Faulkners bedeutendstes und auch lesbarstes Buch ist.
Die Geschichte spielt im Süden Amerikas, in der weiten Landschaft des Mississippi. Lena Grove, eine junge schwangere Frau auf einer fremden Landstraße, sucht ihren Geliebten. Joe Christmas, ein farbiger Wanderarbeiter, der keinen anderen Ausweg aus der Spirale von Gewalt und Unterdrückung findet, als selbst zum Mörder zu werden; und der Geistliche Hightower, der Amt und Familie verloren hat und seine Bigotterie nur schwer ablegen kann. Sie alle treffen sich in der Stadt Jefferson zu einem dramatischen, blutigen Showdown, bei dem keiner wirklich frei von Schuld ist.
William Faulkner nimmt sich in dem Buch des Themas Rassismus an und zeigt, was der Hass in den Herzen der Menschen alles anrichten kann. Seine Romanfiguren tragen stets tragische Züge und es wird eine von Fanatismus und Rassismus erstarrte Gesellschaft portraitiert. Faulkner steht wie kein zweiter amerikanischer Schriftsteller für den Übergang zur literarischen Moderne. Auch hier kombiniert er die Vielfalt des realistisch-naturalistischen Sittenbildes mit symbolischen Darstellungen und experimentellen Erzählstrategien. Seine Romane sind absolut wirklichkeitsbezogen und beschäftigen sich eingehend mit Traditionen und Lebensbedingungen seiner Heimatregion, dem Norden des Staates Mississippi. Doch das eindringlichste an diesem Buch sind die Innenansichten der Figuren, die Stürze" ins Innere der Menschen, die man als Leser miterlebt. Dadurch entsteht eine dichte, emotional-leidenschaftliche Atmosphäre, die das ganze Buch durchdringt und seinesgleichen sucht. Auch wenn man als heutiger Leser so manche detaillierte Beschreibung der Charaktere als etwas langatmig empfindet und gelegentlich die Faulknersche Schwerfälligkeit Einzug hält, wird man am Ende des Buches absolut belohnt. Licht im August" ist ein großartiges Buch der Weltliteratur, wüst und unbehauen, ein Epos von alttestamentarischer Wucht, dass einige Zeit braucht bis es seine Wirkung entfaltet. Eine genussvolle Lektüre, die einen nicht mehr so schnell loslässt und lange nachwirkt ist es allemal. Ein Buch für kritische und anspruchsvolle Leser.
Eine Rezension von Wortwerkstatt > Würzburg
vom 17. Juli 2008 |